Am 6. September brach ich gegen 6:15 Uhr zur Saline von Ulcinj auf. Dort sollte es nicht nur Pelikane und Flamingos geben, sondern auch zahlreiche Watvögel und Zugvögel auf ihrem Weg zwischen Europa und Afrika. Für den Weg hatte ich mir eigens ein Fahrrad geliehen. Bei noch angenehmen 24 bis 25 Grad fuhr ich mit dem etwas zu kleinen, ansonsten aber brauchbaren Rad in Richtung Saline.
Nach etwa dreieinhalb der insgesamt fünf Kilometer fiel plötzlich eines der Pedale ab. Reparieren konnte ich es unterwegs nicht, also blieb mir nichts anderes übrig, als die letzten anderthalb Kilometer mit nur einem Pedal weiterzufahren und zwischendurch zu rollen. Trotzdem erreichte ich die Saline pünktlich zur Öffnung gegen 7 Uhr und war an diesem Morgen der erste Besucher.

Zwischen verlassenen Gebäuden und ersten Beobachtungen
Auf den ersten Metern wirkte die Saline fast wie eine verlassene Industrieanlage. Abgesehen von einigen alten, teilweise verfallenen Gebäuden war zunächst wenig zu sehen. Erst nach einigen hundert Metern erreichte ich auf der linken Seite ein erstes Becken.
Dort saß zu meiner Freude ein junger Krauskopfpelikan. Diese Art hatte ich schon länger sehen wollen, und nun hatte ich gleich zu Beginn die Gelegenheit dazu. Im selben Bereich beobachtete ich außerdem Löffelenten und Tafelenten. Am Rand des Beckens hielten sich größere Gruppen von Zwergscharben und Seidenreihern auf.
Der frühe Fund des Pelikans war vielversprechend. Trotzdem schwand meine Hoffnung auf die erwarteten Flamingos zunächst wieder, denn hinter dem ersten Becken schien die Saline weitgehend leer zu sein. Erst als ich noch einmal auf die Karte schaute, bemerkte ich, dass ich mich noch gar nicht an den großen Beobachtungsbecken befand.
Durch die Salzflächen zu Jezero 1
Von dort führte der Weg quer über trockene, helle Salzflächen. Die Landschaft wurde zunehmend offener und karger. Gleichzeitig stieg die Sonne immer höher, und die Temperatur näherte sich bereits 28 bis 30 Grad. Auf den ungeschützten Wegen war von der angenehmen Kühle des frühen Morgens bald nichts mehr zu spüren.
Schließlich erreichte ich das große Becken Jezero 1. Schon aus einiger Entfernung sah ich die ersten Flamingos auffliegen. Als ich am Becken ankam, wurde ich nicht enttäuscht. Weit draußen standen mehr als 100 Flamingos im flimmernden Licht. Durch die Entfernung und die zunehmende Hitze waren sie zwar nicht immer leicht zu beobachten oder zu fotografieren, aber allein ihre Zahl und die Bewegung der Gruppe bestimmten das Bild der offenen Saline.
Zwischen ihnen erschienen die langen Schnäbel mehrerer Löffler beinahe etwas unwirklich. Über das gesamte Gebiet verteilt standen außerdem zahlreiche Seidenreiher. Im weiteren Verlauf sah ich mehrfach Triele in kleinen Gruppen sowie verschiedene kleinere Sing- und Watvögel entlang der trockenen Ränder und flacheren Bereiche.
Kuhreiher auf Schafen
Als ich dem Rand von Jezero 1 weiter folgte, traf ich auf eine kleine Gruppe Schafe. Auf und zwischen ihnen saßen mehrere Kuhreiher. Mit dieser Art hatte ich an diesem Morgen nicht gerechnet, schon gar nicht in dieser Zahl und in einer so direkten Verbindung mit den Weidetieren.
Die Reiher nutzten die Schafe offenbar als erhöhte Sitzplätze und hielten sich eng bei der Herde auf. Es war eine der unerwartetsten Beobachtungen des Morgens und unterschied sich deutlich von den weit entfernten Flamingos auf dem offenen Wasser.
Als ich später auf den Damm zwischen Jezero 1 und Jezero 2 einbog, begegnete mir ein junger Seidenreiher, der zunächst nicht aufflog. Weil ich nicht sicher beurteilen konnte, ob er lediglich noch unerfahren oder möglicherweise geschwächt war, hielt ich Abstand und blieb nur kurz.
Der lange Weg zurück
Danach machte ich mich auf den etwa viereinhalb Kilometer langen Rückweg zum Eingang. Inzwischen stand die Sonne deutlich höher, und der Weg führte ohne nennenswerten Schatten an den Becken und Salzflächen entlang. Mit jedem Kilometer war ich stärker von Salz, Staub und Hitze überzogen.
Kurz vor dem Eingang hatte ich noch einmal Glück. Mehrere Bienenfresser flogen auf, und über mir sammelten sich weit mehr als 100 Möwen. Damit endete der Vormittag mit einer letzten größeren Bewegung am Himmel.
Als ich wieder am Eingang ankam, standen 28 beobachtete Arten auf meiner Liste, darunter 14 neue. Besonders der Krauskopfpelikan, die Flamingos, die Löffler und die Kuhreiher machten den Ausflug trotz Hitze und Fahrradpanne zu einem erfolgreichen Morgen.
Auch das Problem mit dem Fahrrad ließ sich schließlich lösen. Ein Mitarbeiter am Eingang schraubte das abgefallene Pedal wieder fest. So konnte ich die fünf Kilometer zurück nach Ulcinj mit zwei funktionierenden Pedalen fahren, was angesichts der inzwischen weiter gestiegenen Temperatur eine erhebliche Erleichterung war.
Orientierung in der Saline
Bei meinem Besuch befanden sich etwa 500 Meter vom Eingang entfernt auf der linken Seite zwei kleinere Becken. Dort konnte ich unter anderem den jungen Krauskopfpelikan beobachten.
Der Hauptweg durch die Saline beginnt auf der rechten Seite. Nach ungefähr zwei bis zweieinhalb Kilometern eröffnet sich der erste Blick auf Jezero 1, wo sich an diesem Morgen die Flamingos aufhielten. Bis zum nächsten großen Becken sind es von dort noch einmal ungefähr zwei Kilometer.
Die genannten Beobachtungen beziehen sich auf meinen Besuch am 6. September. Wasserstand und Aufenthaltsorte der Vögel können sich verändern.






